Hille olé

Manches mal lohnt sich doch ein kurzer Blick auf Webseiten, die sich auf Kleinanzeigen spezialisiert haben. Hier findet mensch nicht nur Pflanzsteine, Kinderräder, neuwertige alte (!) Wohnzimmertische und süße Kaninchenweibchen, sondern auch ab und an Sachen die tatsächlich zu gebrauchen sind. Ein Beispiel dafür (und gleichzeitig mein letzter Fang) ist eine Tür. Simpel, Standardmaß, dunkles Holz, an Selbstabholer*innen zu verschenken. Kurz anrufen, Abholtermin abmachen, losziehen, Proviant mitnehmen, klingeln, die Tür aus den Angeln heben, freundlich bedanken und Tür erstmal hinstellen.

corpus delicti

Im Laufe der Zeit als angehende*r Vollzeit-Türträger*in findet ein Professionalisierungsprozess statt, in dem sich in verschiedenen Lektionen und Abschnitten die okkulten Geheimnisse der Türträgerei lüften. Eine der härtesten Lektionen von allen ist die Tragetechnik. Es ist ein Leichtes sich die Schwere einer ausgewachsenen Standardtür vorzustellen. Das 700*1990*60mm messende Holzstück ist nicht nur unhandlich und wiederspenstig sondern auch genau einen tick zu groß, um es mit der Hand zu umfassen und unter den Arm zu klemmen. Ganz abgesehen vom schon angesprochenen Gewicht. Aus der erläuterten Problemstellung ergeben sich folgende funktionale Techniken:

  • auf der Schulter mit einem Arm abgestützt
  • auf der anderen Schulter mit dem Arm abgestützt
    • bei diesen Positionen stellt sich nach einigen Metern (konkret 20) ein beißender Schmerz im entsprechenden Obergrätenmuskel ein, der zwar erträglich aber alles andere als Leistungssteigernd ist
  • im Ellenbogen liegend, mit dem Kopf abgestützt
  • entsprechendes auf der anderen Seite
  • waagerecht auf dem Kopf liegend.
    • zu Beachten ist hierbei, dass der Schwerpunkt der Tür direkt über der Auflagestelle zu plazieren ist ; leichte Windböen sind bei Beachtung dieses Hinweises leichter auszubalancieren
    • auch die Verwendung eines eines polsternden Materials zwischen Kopfhaut und Türkörper ist anzuraten um Blessuren derselben zu vermeiden

Ja, das professionelle Türträger*innen-Geschäft ist kein leichtes. Die Bezahlung ist mies und mensch holt sich nur Muskelkrämpfe. Nach einer Stunde Trage-Dienst (incl. einer unangemeldeten Pause mit belegtem Brötchen) war das Türmonstrum dann doch endlich in der heimischen Hütte angelangt. Aufgebockt auf zwei funkelnagelneue Holzböcke Marke „im Baumarkt kaufen und selber tragen“ vergnügt sich das gute Stück mit Pflanzen, Rechner, Deko und dem Zimmer mit Aussicht.

Weil Hille so schön ist nun auch noch ein paar Ansichten die Postkartenreif sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

cc-by gitte schmitz

 

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